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KunstFestSpiele 2015

Künstlerbiografien - Pavillon der Sinne

Ecke Bonk, Parastou Forouhar, freitagsküche, Lara Krude, Politik zum Anfassen e.V., Zeitblom

Pavillon der Sinne : Abschlusspräsentation der Akademie der Spiele, Fr 5.6., 16:00

Ecke Bonk

Konzeptkünstler, Forscher und Begründer der Typosophie, war mehrfacher Teilnehmer der documenta in Kassel und der Biennalen in Venedig und Guangzhou. Er beschäftigt sich mit Zeichensystemen als interdisziplinären Ausdruck von Kunst, Wissenschaft, Philosophie und Typografie. Fasziniert von der fragilen Balance zwischen Zufall, Nonkausalität und Determinismus reflektiert Bonk die Bedingungen und Zusammenhänge kultureller Leistungen und versucht, naturwissenschaftliche Welt- und Denkmodelle in seinen Projekten sinnlich erfahrbar zu machen. Für ihn entsteht Kunst nicht durch die Entscheidung eines Einzelnen, sondern durch komplizierte kollektive Vorgänge: „Kunst ist ein wunderbares Beispiel von Schwarm-Intelligenz und Schwarm-Intuition.“ Ecke Bonk hat u. a. die NASA in Houston bei der Beschriftung des Command Modules der Spaceshuttle-Mission beraten, auf der 10. Documenta (dX) Teilchenphysik mittels einer Nebelkammer sichtbar gemacht und in den 100 Tagen der Documenta11 begonnen, die rund 300 000 Lemmata des Grimm’schen Wörterbuchs an die Wand zu projizieren, Albrecht Dürers Zeichenmaschinen rekonstruiert, eine Rauminstallation zum Monte Carlo-Algorithmus kreiert, mit den Klängen von Geigerzählern, kosmischer Strahlung und Konzertflügel experimentiert und mit PROTECT [FROM] ALL ELEMENTS, einer Aufschrift von beeindruckender Größe auf dem Schauspielhaus in Frankfurt am Main, im Herbst 2001 auf die prekäre Ambivalenz zwischen Schutz und Schützbarkeit hingewiesen. Sein aktuelles Projekt ist eine typosophische Brot-Bäckerei in Auckland, Neuseeland. Bonk lebt in Wien, Österreich, und Whangaroa, Neuseeland.

Parastou Forouhar

Die Konzeptkünstlerin Parastou Forouhar ist in Teheran/Iran geboren. An der dortigen Universität absolvierte sie bis 1990 erfolgreich ein Kunststudium, schloss von 1992 bis 1994 ein Aufbaustudium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main an. 1998 kommt es zu einem einschneidenden Ereignis, das Leben und Werk von Forouhar nachhaltig prägt: Ihre Eltern, zwei führende oppositionelle Politiker, werden in ihrem Haus durch den iranischen Geheimdienst ermordet. Die jährlichen Reisen, die sie seitdem zum Gedenken an die Tat in ihr Geburtsland unternimmt, sind zu einem Akt des Widerstandes geworden. Auch ihre künstlerische Arbeit wird durch den Mord entscheidend beeinflusst. Mit Zeichnungen und Fotografien, mit computeranimierten Bildsequenzen oder mit Installationen reflektiert sie gesellschaftliche Themen und Missstände, greift dabei auf Muster und Farben ihrer Heimat zurück. So hat Parastou Forouhar das Ornament als Camouflage für politische Stellungsnahme 2000 im Berliner Haus der Kulturen der Welt als ihre künstlerische Handschrift vorgestellt und seitdem weiterentwickelt. Die international angesehene Künstlerin, die in Offenbach am Main lebt, stellt in Graz, Istanbul, London, Melbourne, New York, Rom, San Francisco, Sharjah, Stavanger, Turin, Wien aus, sie zeigte Arbeiten im Deutschen Bundestag sowie in Ausstellungsinstitutionen in Berlin, Frankfurt am Main, München, Stuttgart und bei den Biennalen in Berlin, Gwangju, Moskau, Thessaloniki.

freitagsküche

Die Idee der freitagsküche ist eine elementare: Ein kollektives Ereignis, bei dem Kunst und Leben eine kulinarische Verbindung eingehen. Hinter dieser Idee stecken die Künstler Thomas Friemel und Michael Riedel. Sie sind die Erfinder und Macher der freitagsküche, die in Frankfurt am Main seit 2004 zu einer festen Institution im kulturellen Miteinander der Stadt geworden ist.

Thomas Friemel (*1974, Groß Gerau), 1996 bis 2000 Studium der Kulturanthropologie an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main. Neben seiner Tätigkeit als Kulturmanager und Kurator arbeitet Thomas Friemel als Regisseur in Zusammenarbeit mit verschiedenen freien Theatergruppen. Gastspiele in Wien, Berlin, Dresden. Von 1998 bis 2002 war er an verschiedenen Theatern in Deutschland als Regieassistent tätig, von 2002 bis 2004 als Hausregisseur am Stadttheater Aachen. Thomas Friemel leitete das Nord­rheinwestfälische Theatertreffen 2003 sowie die Hessischen Theatertage 2007 und 2009. 2009 bis 2012 war er persönlicher Referent des Ballettdirektors des Staatstheater Mainz. Bis 2014 arbeitete er für das Motion Bank Projekt der The Forsythe Company.

 Michael Riedel (*1972, Rüsselsheim) ist Konzeptkünstler. 1996 bis 2000 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris und der Städelschule in Frankfurt am Main, wo er als Meisterschüler von Hermann Nitsch seinen Abschluss machte. Mit Dennis Loesch initiierte er in einem leerstehenden Wohnhaus das Kunstprojekt Oskar-von-Miller-Straße 16 als experimentellen Kunstraum. 2004 wurde mit der freitagsküche zudem ein kulinarischer und sozialer Treffpunkt geschaffen, ein Restaurant, in dem Künstler für die Besucher an nur einem Abend in der Woche kochten. Nach dem Abriss des Kunstraums verlegten Riedel und Loesch ihre künstlerischen Aktivitäten sowie die freitagsküche nach Berlin. Riedel kehrte 2010 nach Frankfurt am Main zurück, wo die freitagsküche noch heute besteht.

 Die Idee, die hinter der freitagsküche steht, beschreiben die beiden Künstler wie folgt:
»Die freitagsküche ist kein Restaurant, keine Gaststätte, aber sie sieht so aus. Es gibt Essen, Tische, Köche, Gäste, Stühle, Tischdecken. (...) Üblicherweise verschwindet der Vorgang des Kochens in einem Restaurant im Geheimen. In der freitagsküche liegt er offen. Der Künstler des Abends inspiriert die Küche mit eigenen Vorschlägen, schlägt auf diese Weise die Brücke zwischen Kunst und Kochen und sorgt nebenbei für das erste Gesprächsthema.« Um diese ungewöhnliche Atmosphäre zum Essen und Reden, Zuhören und Trinken zu schaffen, wird die freitagsküche regelmäßig zu Festivals und Veran­staltungen eingeladen wie etwa zur Ruhrtriennale, in die Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, in den Volkspalast, die Kunsthalle Pankow und die sophiensæle in Berlin, zur Buch­messe, ins schauspielfrankfurt und in den Mousonturm in Frankfurt am Main. Hier wird der Gedanke eines Restaurants regelmäßig gegen den Strich gebürstet, hier trifft sich zu einem gemeinsamen Abendessen nach den Vorstellungen das regionale und internationale Publikum mit den unterschiedlichen ›Experten‹ aus den Künstlerteams.

Lara Krude

Die junge Modedesignerin Lara Krude wurde bereits mit Auszeichnungen und Preisen geehrt. Nach einer Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin in Leipzig studierte sie Modedesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, an der sie heute als Dozentin für Schnittgestaltung tätig ist. Dass sie in Sachen Innovation, Verarbeitung und Technik oftmals einen Schritt voraus ist, spiegelt der erste Platz beim AUDI Fashion Award 2012 wider. Außenstehende sehen in der Modewelt meist nur den schönen Schein, doch hinter dem Glamour verbirgt sich harte Arbeit an der handwerklichen Präzision, intensive inhaltliche Recherchen und fachliche Aufarbeitung. Dafür steht etwa ihre Kollektion „your yesterday is my tomorrow“ von 2013, zu der sie sagt: „Ausgangspunkt meiner Inspiration und Recherche war die Veränderung in der traditionellen japanischen Männerkleidung durch den westlichen Einfluss zwischen 1860 und 1900.“

Politik zum Anfassen e. V. und Gregor Dehmel

„Wir machen Lust auf Demokratie“, sagen die Macher von Politik zum Anfassen e. V. Der Verein aus Hannover arbeitet seit fast zehn Jahren mit politischer Bildung und Medienprojekten gegen Politikmüdigkeit und für mehr Demokratieverständnis. Mit einem jungen Team und Projekten, die sich insbesondere an Jugendliche wenden, geht man Fragen nach: Wie funktioniert Politik? Warum handeln Politiker so, wie sie handeln? Wie kann man sich in die Gestaltung eines Gemeinwesens einbringen? Und ginge alles auch anders? Der Sozialunternehmer und Medienpädagoge Gregor Dehmel entwickelt für den Verein neue Bildungsprojekte und ist gefragt, wenn es um ungewöhnliche Herangehensweisen geht. An der Universität Göttingen studierte er Psychologie und arbeitete bereits während des Studiums freiberuflich als Partizipationsberater. Am Filmset und am Schnittplatz ist er ebenso in seinem Element wie bei Fotoaufträgen der Niedersächsischen Staatskanzlei oder bei Vorträgen.

zeitblom

Bassist, Sounddesigner, elektroakustischer Komponist, Produzent, Elektronik-Musiker, Realisator von Hörspiel-, Theater-, Ballett- und Filmmusiken, Autor medialer Installationen und Projekte – eine Schublade für den in Berlin lebenden Künstler zu finden ist unmöglich. Hintergrund für zeitbloms kompositorische Werke sind beobachtete oder recherchierte Phänomene. Die daraus folgende Analyse führt zu musikalischer Form und Klanglichkeit in einem ganzheitlichen Sinne, ein kontemplatives Eintauchen in die Klanglandschaft wird ermöglicht und eingefordert. Bei seinen Installationen und Projekten für das Theater ist die Verbindung mit filmischen und luminösen Elementen zentraler Aspekt. Für die Umsetzung seiner die Sinne verbindenden Arbeiten stützt sich zeitblom auf ein Team von Spezialisten: Architekten, Bühnenbildner, Lichtgestalter, Programmierer. Der studierte E-Bassist sucht explizit die Auseinandersetzung mit anderen Musikern, gründete verschiedene experimentelle Bands und tritt in den unterschiedlichsten Formationen international auf. Ende 2011 gründete er mit Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten und Achim Färber von Projekt Pitchfork die Band Automat. Metropolis, eine Zusammenarbeit mit Kalle Laar, wurde 2001 als Hörspiel des Jahres und mit der Silbermedaille beim New York Festivals ausgezeichnet. 2009 erhielt zeitblom den Deutschen Hörbuchpreis für die beste Klanggestaltung in Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Celine.